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Glauberg - Plateau und Grabhügel

Dr. Alois Chlopczik und Wilhelm Diebitsch hatten schon viele Flugstunden über dem Glauberg absolviert. Aber als Chlopczik an diesem Junitag im Jahr 1987 aus dem Fenster des kleinen Sportflugzeugs sah, da bemerkte er etwas, das ihm vorher nie aufgefallen war: kreisrunde Schatten im Feld am Südhang des Glaubergs. Er berichtete den anderen Mitgliedern des Heimatvereins Glauburg von seiner merkwürdigen Entdeckung und versprach, die Bilder zu zeigen, die er mit seinem Fotoapparat aus dem Flugzeug gemacht hatte. Die Bilder hat niemand gesehen. Ob die Kamera versagt hat, der Film falsch entwickelt wurde oder ob Chlopczik einfach die falsche Belichtung gewählt hatte, kann heute niemand mehr sagen. Chlopczik starb im Frühjahr des Jahres 1988.

Chlopcziks Platz im Flugzeug von Wilhelm Diebitsch nahm im Jahr 1988 Werner Erk ein. Gemeinsam mit Chlopczik, Adolf Günther, dem Ehepaar Kauschat und vielen anderen Geschichtsinteressierten hatte Erk im Jahr 1975 den Heimatverein Glauburg gegründet. Es war der erste Verein, der den Namen der neuen Gemeinde nach der Gebietsreform trug. Der Glauberg gab dem angrenzenden Ort seinen Namen. Die Glauburg, die einst auf der geschichtsträchtigen Erhebung stand, war Namensgeberin der Großgemeinde.

Mit Diebitsch wollte Erk im Sommer 1988 vom Flugzeug aus einen längst verschwundenen Wall aufspüren, der einst vom Enzheimer Kopf am nördlichen Ende des Plateaus auf dem Glauberg Richtung Westen führte. Auf der Suche nach diesem Wall sahen sie aber etwas ganz anderes. Sie erkannten jenes Gebilde, von dem der verstorbene Dr. Alois Chlopczik ein Jahr zuvor gesprochen hatte: einen dunklen Halbkreis am südwestlichen Hang. Erk fotografierte die merkwürdigen Schatten und erinnert sich an diesen Flug noch heute sehr genau: „Von diesem Tag an ließ mich die Sache nicht mehr los. Ich hatte Blut geleckt und wollte wissen, was sich in diesem Feld unter der Erde befindet." Immer wieder überflog er mit Diebitsch die Stelle, machte Bilder, bestimmte die Ausmaße. Besonders gut waren die Schatten an Tagen nach einem starken Regen zu erkennen. Ein Hinweis darauf, dass es sich bei dem Kreis wohl um Gräben handelte, denn in den verschwundenen Gräben trocknet das Regenwasser langsamer, die Fläche bleibt dunkel. Mit seiner Frau unternahm Erk zahlreiche Spaziergänge zu jener Stelle, die er vom Flugzeug aus gesehen hatte. Im Laufe der Zeit erkannte er den dunklen Halbkreis sogar vom Boden aus. „Von Düdelsheim hatte man einen besonders guten Blick auf die seltsamen Verfärbungen."

Erk schickte die Fotos, die er gemacht hatte, zum Hessischen Landesamt für Denkmalpflege nach Wiesbaden. Sein heimlicher Wunsch, dass neue Grabungen die Geheimnisse des Glaubergs offen legen würden, erfüllte sich aber zunächst nicht. Die Archäologen haben nur wenig Geld für Grabungen. Gegraben wird eigentlich nur, wenn historische Funde gefährdet sind, etwa bei einem Neubau. Die Entdeckung, die Werner Erk und Alois Chlopczik gemacht hatten, war interessant. Daran hatten auch die Wiesbadener Archäologen keinen Zweifel. Für eine spontane Grabung reichte das alles jedoch nicht aus.

Werner Erk blieb Anfang der neunziger Jahre hartnäckig. Er wandte sich mehrmals an das Landesamt für Denkmalpflege. Diesmal ging es um die Enzheimer Pforte, die Reste eines mittelalterlichen Torturms. Die Enzheimer Pforte wurde bei Waldarbeiten stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Heimatverein wollte die zusammengebrochenen Mauern wieder aufbauen. Nun war man sich nicht sicher, was man noch alles finden könnte in der stark durcheinander gebrachten Erde, hatte Angst, wichtige Zeugnisse der Vergangenheit zu übersehen, vielleicht sogar zu zerstören. Eine Notgrabung sollte für die wissenschaftliche Ordnung sorgen. Und tatsächlich gab der Landesarchäologe Fritz-Rudolf Hermann grünes Licht für Grabungen auf dem Glauberg.