Heiliggeistkirche Nidda
Die evangelische Kirche "Zum Heiligen Geist" in Nidda gilt als älteste Saalkirche Hessens. Sie wurde zwischen 1615 und 1618 erbaut. Von den Niddaern wird sie aber nicht als Kirche zum Heiligen Geist bezeichnet, sondern lediglich Stadtkirche genannt. Sie war bereits in der Zeit, als Sie erbaut wurde, als evangelische Kirche konzipiert. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die der Predigt zuhören. Der Besucher, der die Kirche zum ersten Mal betritt, ist beindruckt von der Weite und Helligkeit des Innenraums. Der Blick wird auf den mächtigen Triumphbogen gelenkt und in den daran anschließenden hellen Chorraum, in dem Altar und Kruzifix im Zentrum stehen. Die seitlichen Emporen betonen die Längsachse des Raumes und führen das Auge in Richtung Altar und Kruzifix. Gekrönt wird der Saal von einer prächtigen Stuckdecke aus dem Jahre 1616, die durch vier starke Eichensäulen gestützt wird. Als Besonderheit gilt das aus dem 17. Jahrhundert stammende Kruzifix. Der Kreuztitel, üblicherweise in lateinischer Sprache INRI, ist hier auch auf Hebräisch und Griechisch wiedergegeben.
Ein besonderes Schmuckstück ist auch die geschnitzte Kanzel, die von Amtmann Arnold Schwartz und seiner Frau gestiftet und 1616 von einem unbekannten Künstler geschaffen wurde. Die Kanzel wird getragen von einer reich verzierten Säule und zeigt in den fünf Eckpfosten die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes mit ihren jeweiligen Symbolen Engel, Löwe, Stier und Adler sowie rechts außen den Apostel Paulus. Dazwischen sieht man auf vier Feldern der Brüstung eine von einem Engel gehaltene Schrifttafel, auf der Stifter und Stifterin der Kanzel genannt werden, das Wappen des Stifters, die Auferstehung Christi und die Jahreszahl 1616 sowie das Wappen der Stifterin. Das herrliche Schnitzwerk sollte man sich aus der Nähe ansehen.
(Quellen: Gerhard Erk, Marquardts Kirchenführer)


